1000 Tonnen Stein. Der Erhalt des Aachener Musikbunkers als Anstoß zur Diskussion.

Nun ist es wieder soweit. Aktuell das lokalpolitische Thema hat mich gepackt. Der Aachener Musikbunker. Die Clubs. Die “Kultur”.

Ich beginne mich langsam mehr und mehr in das Thema, die verschiedenen Positionen, Wünsche und Befürchtungen einzulesen, einzuhören und reinzudenken. Ein Podcast zum Thema ist bereits im Kasten, weitere geplant.

Verzeiht mir aber bitte hier das chaotisch und unreflektierte Geschreibe. Ich sortiere aktuell selber noch. Und wie immer: Anmerkungen, Richtigstellungen, Fragen: In die Kommentare damit!

Aber nun zur gestrigen Diskussion.

Nachdem die offizielle “Musikbunker erhalten” Seite mittlerweile knapp 15.000 Likes zählen darf, haben sich rundherum kleine Bewegungen neu gebildet und andere wiederbelebt. Ein neuer Anstoß ging vor ein paar Tagen als Facebook Veranstaltung rum, der zur Diskussion im Kreise interessierter in den Club Voltaire einlud.

Das Publikum recht gemischt, größtenteils aber “Betroffene” des nun eingeschränkten Party-Betriebs. Lars Templin (Musikbunker Aachen e.V.) gesellte sich erst später dazu, da er zuvor auf einem anderen Termin verhindert war.

Wie wohl so üblich in einer uneingespielten Runde wurden relativ viele Nebenschauplätze aufgemacht, versucht mal eben Gesetze zu ändern und das Problem mit “korrupter Politik” herbeigeredet. Neben diesen Ausreißern blieb die ganze Diskussion aber insgesamt sehr sachlich und äußerst Konstruktiv.

Trotzdem: Lange Zeit wurde nur eins: Viel rumspekuliert und ein “könnte hätte müsste sollte”. Bis auf eins: Man war sich einig das aktuell die Kommunikation irgendwie nicht so rund läuft.
Der Musikbunker kommuniziert viel zu wenig und teilweise etwas unbedacht, andere Engagierte beackern Fragen und Nebenschauplätze in diversen Gruppen, aber alles passiert nur halb offiziell. Erinnert mich irgendwie ein wenig an die Diskussion rund um die Campusbahn in den sozialen Medien…

Es fehlt an der professionellen Vernetzung. Der Musikbunker ist verständlicherweise mit Anfragen und dem Abarbeiten überfordert. Und muss dann ja auch noch “nebenbei” sich um diverse Gespräche, Termine und ne Menge anderen Kram kümmern um die Existenz des Musikbunkers zu sichern. Denn: Neben den indirekten Existenzen von Djs und Veranstaltern hängen auch so einige Existenzen direkt am Musikbunker und Verein dran. Das unterstrich Lars noch einmal und bat darum, das besonders zu berücksichtigen.

Generell verfolgt man aktuell gemeinsam mit der Politik vor allem eine mit allen Seiten einvernehmliche Lösung zu finden. Das Land hat Stadt und e.V. bereits ein Vorkaufsrecht signalisiert. Die Stadt bleibt nach wie vor dabei, das auch sie die aktuelle Verwendung der Musikbunker nicht ändern will und bereit ist beim Kauf ggf. zu unterstützen.

Im Laufe der Diskussion mit Lars kam dann die Frage auf, ob denn die Aktionen aktuell was bringen. Seitens Musikbunker möchte man in den nächsten Wochen einerseits die Kommunikation verbessern und wenn sich die Lage weiter sortiert und sondiert hat und auch eigene Aktionen starten. Man hat ein wenig die Sorge, ob man dann noch genug Unterstützer findet. Ich denke ja, wenn man es jetzt schaff die Kommunikation einigermaßen professionell aufrecht zu halten.

Die Clubgänger fangen nun an, eine Lobby aufzubauen die ihr Interesse bündelt und an die Politik kommuniziert. Wieso schafft es hier die (alternative) Aachener Gastro-Szene seit Jahren nicht einen wie auch immer gearteten Interessenverband zu gründen und die gemeinsamen Probleme an die Politik heranzutragen? (Falls dies passiert und mir nur nicht bekannt ist freue ich mich über Anmerkungen in den Kommentaren oder per Mail.)

Das zeigt, wie das Thema brennt, wenn sich sich lang nach Feierabend Interessierte, komplett unabhängig von den “offiziell Betroffenen”, für mehrere Stunden zusammenfinden um eine Lösung zu suchen. Mancher Politiker würde sich solch eine Beteiligung beim zerschneiden roter Bänder wünschen…

Für mich persönlich stachen noch die Jungs rund um Philipp Emmert (Facebook: Erhalt der Clubvielfalt in Aachen) hervor die sich seit einiger Zeit Sonntags im zwei Wochen Turnus (nächster Termin: 09.02. – 19 Uhr) im Last Exit treffen und dort gemeinsam an Ideen und Anträgen arbeiten die dann unter anderem ins Bürgerforum und Ratssitzungen eingebracht werden sollen.
Auch versucht diese kleine Gruppe (Engagement herzlichst willkommen!) die Informationen ein wenig zu kanalisieren und die auftretenden Fragen im Netz zu beantworten, das passiert aktuell nur auf Facebook.

Fazit: Das Thema bewegt, aber es sollte mehr gesteuert werden. Falsche Reaktionen, falsche Informationen und falsche Aktionen sind der Sache gegenüber nur kontraproduktiv. So unterstrich es auch noch einmal Lars Templin, der mehrmals darum bat sämtliche Aktionen mit dem Musikbunker Team abzustimmen und nichts voreilig, wenn auch gut gemeintes zu unternehmen.

Einen Satz kann man sich für die nächsten Wochen aber übers Bett Nageln: Redet miteinander. Redet mit euren Nachbarn, redet mit dem Gastronom eurer Eckkneipe, macht auf das Thema aufmerksam, bringt Gleichgesinnte zusammen, macht Beteiligte und unbeteiligte auf Treffen und Aktionen aufmerksam und macht vor allem eins: Seit draußen leise, passt aufeinander auf und redet mit den Partygästen die sich nicht an Regeln halten wollen.

Helft besonnen dabei mit, das unsere Clubs bleiben und alle gut damit leben können.

 

Querverweise (ergänze ich laufend):

Mein erstes mal mit: car2go

Ich bin ja schon seit einigen Jahren ein großer Fan des Carsharing und “Teilökonomie“. Zufrieden mit Cambio, einem gemeinsamen Firmenwagen und generell dem Versuch immer weniger selbst zu besitzen und sich (teure) Dinge bei Bedarf von anderen zu leihen, ist eine tolle Sache.

Bei vielen Dingen (und in Aachen…) funktioniert das aber alles noch nicht so, das es im Alltag wirklich bequem ist.

Anders hingegen car2go. Da ich momentan wieder regelmäßig in Köln unterwegs bin und dank Langzeitstudententum ein Semesterticket besitze, kann der Firmenwagen in Aachen bleiben, ich im Zug arbeiten und bin trotzdem voll flexibel in ziemlich vielen Städten unterwegs.

car2go setzt aktuell auf eine SMART-Flotte. Anders als zum Beispiel bei Cambio können die Autos im Geschäftsgebiet (was in der Regel die erweiterte Innenstadt ist) bestiegen und an beliebigem Ort abgestellt werden.

In Ehrenfeld am Bahnhof also ein car2go geschnappt, damit zum Kundentermin. Anschließend in die Stadt zum Mittagessen das Auto abgestellt und später zum nächsten Termin einen anderen Wagen geschnappt.

Registrierung

Die Registrierung ist schnell über Webseite erledigt. Diese wirkt zwar etwas hastig umgesetzt und gibt hier und da Rätsel auf ob man denn nun angemeldet ist und die Daten übernommen worden, ist aber ansonsten recht solide und versorgt einen mit allen wichtigen Infos.
Mit Führerschein, Bankkarte und Perso muss man sich anschließend bei car2go oder einem Partner seine Karte abholen. Hiermit kann dann sofort losgefahren werden kann.

Einsteigen und fahren

Mittels APP lassen sich Autos in der Nähe reservieren, sodass niemand den Wagen spontan wegschnappen kann.

Einmal eingestiegen erklärt der Bordcomputer einem wie das Auto nun funktioniert, fragt nach neuen Schäden und der Sauberkeit des Autos.

Wer das Auto unterwegs nicht “verlieren” will, kann einfach parken und den Schlüssel mitnehmen. Dann läuft zwar die Uhr weiter, aber nach dem Kundentermin muss nicht nach einem freien Wagen in der Nähe gefahndet werden.

OnBoard Computer

Hier muss dringend nachgebessert werden. Der Touch-Screen reagiert mehr als träge. Als Navigationsziele können nur Straßen eingegeben werden. Insgesamt gönnt sich das System zu oft einen Sekundenschlaf. Von einer Tankstellen, POI oder Geschäftsbereich Anzeige ganz zu schweigen.

Fazit

Wer viel mit der Bahn Unterwegs ist und immer wieder in Großstädten strandet wird car2go und Konsorten lieben. Auch für Glückliche Großstadtbewohner ohne eigenes Auto aber mit ÖPNV-Karte ist das Stationsungebunde Carsharing eine tolle Ergänzung.

Dank immer besseres Apps und jüngsten Anstrengungen Mobilität über verschiedenste Verkehrsmittel in einer APP zu integrieren, ist der Weg nicht mehr weit bis man vollständig und ohne großen Komfortverlust auf ein eigenes Auto verzichten kann.

Ich freue mich auf die Zukunft mit weniger rumstehenden Blech am Straßenrand und effizienter, gemeinsamer Mobilität.

Musikschleife

Vor kurzem einem Jahr habe ich ein wenig meinen Netzwerkspeicher aufgeräumt. Und einmal überschlagen. Überschlagen wie viel Musik dort seit Jahren rumlungert. 500.000 Mp3s dürften es ungefähr sein. Eher vorsichtig geschätzt. 17. 500 Stunden Musik. 729 Tage  oder knapp zwei Jahre Musik. Würde es dafür Abmahnungen hageln, dürfte ich wohl eine gefühlt hohe Summe, ähnlich der Griechenlandhilfen abzahlen. Seit gut einem Jahr ist diese Musik jedoch tot. Aktuell schon lange nicht mehr. Die letzten Downloads Sammelstücke sind von 2007.

Die ersten lassen sich wegen dem ganzen hin und her kopieren nicht mehr genau beziffern. Angefangen hat die Sammelwut wohl ungefähr 2003. Mit 56 Kbps (für die jüngeren unter euch: Das ist langsamer, als wenn eure UMTS-Datenflat aufgebraucht ist!) auf mp3.de, hinüber zu napster, emule, gebrannte CDs voller Musik, bis hin zu Gigabyte gefüllten gut sortierten Festplatten mit einer niemals hörbaren Anzahl an Musik. Eine schiere Menge an Musik die beim “Alle zur Playlist hinzufügen” jeden Rechner mit Winamp gnadenlos zum abstürzen brachte.

Vom Ballermann bis Led Zeppelin. Neue Deutsche Welle, Heavy Metall, Hardcore und Pop. So viel Schrott und irgendwo dazwischen die Silberperlen. Dank kaum vorhandener MP3-Tags mühsamer zu finden als jede Stecknadel im Heuhafen. Es war grausam. Und dann kam der iTunes-Store. Vernünftige Sortierung. Sofort verfügbar, anständige Covers, alles fürs kleine Geld. Und wieder ging das Sammeln los. Nur was wirklich über längere Zeit gefiel, Klassiker die man eh rauf und runter hört und immer wieder ganze Alben landeten auf der Festplatte. Über 1000 Songs mittlerweile – gekauft.

Und auch das war nur ein Zwischenschritt.

Jetzt habe ich mit spotify, rdio, simfy und Co. zahlreiche Dienste die für einen schlanken Fünfer im Monat so viel Musik aus meinen Boxen rauspumpen wie ich möchte. Ohne Werbung, ohne Nerv, ohne großartig Speicherplatz zu fressen. Ohne die Festplatte voll zu machen mit zigtausend Titeln, die man tendenziell eh nie hört. Millionen von Titeln, durch ziemlich viele Genres kreuz und quer. Genug um immer wieder neues zu entdecken und den ganzen Tag laufen zu lassen. Immer neue Musik, irgendwie wie Radio. Aber auch ganz selektiv. Einzelne Titel. Ganze Alben. Gemeinsam mit Freunden hören und schöne Titel über Facebook und Twitter teilen.

Seit ich spotify nutze werde ich regelmäßig aufmerksam auf neue Künstler, die es immer wieder in meine Heavy-Rotation schaffen. Und seit einigen Wochen will ich demnächst mal wieder ein Konzert besuchen. Das wäre das dritte in meinem Leben. Wenn ich dann aber das gejammer der Künslter und Interpreten höre, das über Streamingdienste so wenig reinkommt, überlege ich mir das mit dem Konzert noch mal.

Warum Bezahlinhalte im Abo-Modell nicht funktionieren werden (II)

Die Ankündigung zur Einführung einer Bezahlschranke auf den Webangeboten des Zeitungsverlags Aachen hat recht schnell recht hohe Wellen geschlagen. Ich finde, die Kommentare sprechen für sich.

Unter dem Artikel

Die redaktionelle Qualität der Online-Ausgabe lässt in großen Teilen erheblich zu wünschen übrig. – Viima

Unabhängig, in allen Facetten präzise recherchiert – der Witz ist gut. – whistleblower61

Ich habe mir vor ein paar Jahren mal die ePaper-Ausgabe der AZ angetan, das war mal ganz gruselig, quasi unbedienbar. – commaz

Ich würde gerne für Qualität (und das in allen Bereichen) bezahlen, aber man bekommt keine Qualität mehr, deshalb bin ich auch nicht bereit für die Onlineausgabe zu zahlen, zumindest nicht in der jetzigen Qualität. – AM64

Diejenigen, die bisher dieses Angebot (kostenlos) genutzt haben, weil sie nicht bereit waren, für eine regionale Zeitung Geld auszugeben, deren Qualität extrem zu wünschen übrig lässt, werden für die gleiche geringe Qualität weiterhin kein Geld ausgeben. – Tempelwaechter

Generell sehe ich in der Paywall aber auch nicht die Rettung des professionellen Journalismus. Die AZ/AN können noch mit dem Pfund der Lokalberichterstattung wuchern. – Bernd

Heute ist es wohl die große Schar der Anteilseigner des ZVA (Zeitungsverlag Aachen), die die Linie vorgeben, die wohl heißt “Geld her”. Das geht aber nicht, wenn man sich an Konzepten versucht, die eine Qualität verlangt, die im ZVA nur noch wenige Aufrechte erbringen könnten aber gewiss nicht dürfen. – paxvobiscum

Liest man die Worte von Herrn Mathieu über sein eigenes Blatt, dann fragt man sich, was wir denn nun seit Jahren im Gegensatz zu ihm zu lesen bekommen. – paxvobiscum

Im Blog

Die 5€ sind für mich nicht das Thema sondern die angesprochene Qualität. – Philipp

Braucht so keiner. Der NRW, Euregio, Deutschland und Welt Teil bietet nichts was man nicht eh tausendfach vorher zu sehen hat. – Txthld

Ich bin jedesmal enttäuscht – wirklich enttäuscht – von der Qualität die ich bei den Online Ausgaben der Aachener Zeitungen geboten bekomme… Jedes mal wenn irgendetwas komisch läuft (Kaiserplatz, Tivoli, Campusbahn etc) denke ich mir “wo ist denn mal ein Journalist der mal nachfragt, der mal seinen Job macht?”.
Mir fehlt da einfach ein ganzes Stück Qualität. – Jonas

Ich finde, die Kommentare sprechen für sich.

Warum Bezahlinhalte im Abo-Modell nicht funktionieren werden

Heute hat Bernd Mathieu, seines Zeichens Chefredakteur unserer geschätzten lokalen Zeitung, in der Online-Ausgabe bekanntgegeben, das zum 9. September ein Abo-Bezahlmodell eingeführt wird. Dies wurde vor Jahren schon einmal probiert. Und scheiterte.

Aktuell, lokal, regional, unabhängig, in allen Facetten präzise recherchiert, fundiert geschrieben, fotografiert und in bewegten Bildern aufgenommen: Das ist die professionelle Leistung, die unsere Redaktion mit zahlreichen festangestellten und freien Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern in Texten, Bildern und Videos Tag für Tag auf unserem Online-Portal präsentiert.

Soweit geschenkt. Der einzelnen Details wie der präzisen Recherche kann man sich ja noch einmal gesondert widmen.

Leider ist diese redaktionelle Leistung alleine über Werbung digital nicht finanzierbar.

Auch geschenkt. Nur verwunderlich dass hier nicht noch mal auf die “Kostenloskultur!” geschimpft wird.

für alle Nicht-Abonnenten unseres Hauses für nur 4,90 Euro im Monat oder für 0,99 Euro für 24 Stunden.

Auf den ersten Blick passen die Preise. Knapp 5 € im Monat für lokale Presseartikel sind fair.
Jedoch bekomme ich hier nur die (schlechteren) Online-Artikel. Nicht die gesamte Ausgabe.

Wenn ich schon abonniere, dann will ich auch das komplette Spektrum haben (Auch fürn Euro mehr). Und nein, ich möchte kein gedrucktes Abo oder ein ePaper auf dem iPad…

So wirklich an den Kopf fasse ich mir aber bei dem Beispiel der Regionalität:

Alemannia Aachen multimedial: Auch in der Regionalliga bleibt die Alemannia das Sportthema der Region.

Nun gut. Sport. Alemannia. Zirka 2500 verkaufte Dauerkarten. Und mehrere Millionen Steuergelder in den letzten Jahren verschleudert. Vielleicht wäre das ja mal ein Thema, welches, präzise recherchiert, interessiert?
Oder der Bauvorschritt der Kaiserplatzgalerie? Umleitungsempfehlung zur Baustelle am Siegel?
Ausführliche (vor)berichte zu Stadtteilfesten?
Interessante Persönlichkeiten Portraitieren (nicht nur im Print!)?
Bilderstrecken, die ihrem Namen gerecht werden?
Visualisierung des Aachener Haushalts?
Datenjournalismus?

Alles Themen die bisher gar nicht bis kaum behandelt werden. Und online wäre Platz dafür.

Jetzt kommt sie aber schon so. Die Paywall. Vor mittelmäßigem Inhalt, reichlich dpa Meldungen und mit dem großen Fragezeichen: Was ist mit Links aus sozialen Netzwerken, google und Aggregatoren? Ausgesperrt? Nur Anreißer? Nur noch für 4,90 € im Monat? Oder ein Freikontigent wie es die NewYorkTimes eingeführt hat?

Was ist mit ab-und-zu-Lesern? Was ist mit Exil-Aachenern? Mit gerade hinzugezogenen?

Die Transaktionskosten (Aufwand, Zeit, wieder ein Konto mehr) für den einzelnen Nutzer der gerade wirklich nur Interesse an einem Artikel hat sind so immens hoch, dass die Abschlussrate wohl im Promillebereich der Besucheranzahl angesiedelt bleibt. Der Großteil wird ungelesen und unbezahlt von dannen ziehen. Und die Kosten auf Seiten des Verlags (Artikel, Server, Traffic) sind nahezu 1:1 entstanden.

Zudem muss man sein BWL-Studium wahrlich nicht beendet haben um zu merken, dass bei 0,99 € für den Verlag weniger als wenig hängen bleibt. Mehrwersteuer, Transaktionsgebühren, Kosten der Bezahlschranke, zusätzlicher Traffic und Serverlast für den Login und Autorisierungsprozess.

Abomodelle funktionieren dann, wenn ein Nutzer ein Verhältnismäßig hohes Konsumbedürfniss hat. So lohnen sich für viele Leute Spotify, der Fitnessclub, die All-Net-Flat. Der Gelegenheitstelefonierer wird jedoch beim Prepaid-Modell bleiben.
Und der gelegentlichte Zeitungskonsument wird frustriert von dannen ziehen. Und irgendwann nicht wieder kommen.

Die Annahme, dass es reicht “renommierte Marken” zu sein, um auch (neue) Leser zum Abo zu bewegen halte ich für reichlich überheblich.

Die Problemstellung ist wahrlich keine einfache. Aber ich verstehe nicht, warum sich kein einziger Deutscher Verlag traut, neben einem Abo-Flat-Modell, ein Bezahl-was-Du-willst Modell zu testen – für einzelne Artikel. Mit Paypal, Lastschrift, Flattr.

Aber mit mittelmäßigem, uninovativem Inhalt wird auch dieser Versuch der Paywall nur in eine Richtung gehen: Nach hinten.

Verpixler, wo seid ihr?

Ihr habt gekämpft, geschrien und gewonnen als es darum ging, eure Häuserfronten nicht mehr der Öffentlichkeit zu überlassen.
Deutschland ist bei bing und google eine kaum erschlossene und in den wenigen Städten sehr verpixelte Landschaft.

Ihr wart laut und habt um eure angebliche Privatsphäre gekämpft.

Und jetzt? Die NSA und der britische Geheimdienst speichern Millionen von Verbindungsdaten und Inhalte. Unsere Regierung weiß von nichts, ist nicht zuständig und will von dem allen nichts gewusst haben.

Grundrechte werden noch und nöcher verletzt. Und ihr sitzt zu Hause rum und habt nichts zu verbergen? Habt ihr sie noch alle? Werdet endlich laut! Beschwert euch! Echauffiert euch! Denn es geht um weit mehr als eure Häuserfronten. Diesmal geht es wirklich um eure Privatsphäre.

Geht auf die Straße, am 27. Juli, 12 Uhr am Kugelbrunnen in Aachen

Ein OpenData-Versuch?

Mal wieder sitze ich in der Wartehalle des Einwohnermeldamtes. Neuerdings auch Bürgerservice genannt.

Brav ziehe ich meine Wartemarke und bekomme immerhin schon die voraussichtliche Wartezeit präsentiert. 30 Minuten hier am Bahnhof oder 15 am Katschhof. Ich habe aber keine Wahlmöglichkeit, da mein Reisepass nun mal am Bahnhof liegt.

Knapp 25 wartende Bürger teilen sich mit mir die Wartehalle. Gemischtes Alter, aber über die Hälfte mit Smartphones in der Hand.

Die Idee Wartemarken per App zu ziehen ist nicht neu, aber bisher in den wenigstens Verwaltungen angekommen. Das entwicklen, testen, einführen und optimieren solch einer App ist nicht von heute auf morgen gemacht, deshalb hab ich ein wenig Verständnis für diese »Rückständigkeit«.

Aber eins fällt mir bei meinen Amtsbesuchen immer wieder auf: die extrem unterschiedliche Auslastung. Als Selbständiger kann ich es mir dankenswerterweise oft aussuchen, wann ich zum Amt gehe. Die meisten können das jedoch nicht.

Toll wäre es doch, wenn ich vorher schauen könnte, wann in de kommenden Tagen die Wartezeit wahrscheinlich sehr gering ausfallen wird.
Die Daten hierfür dürften vorhanden sein. Und wenn nicht, lassen sich diese in einem recht kurzen Zeitraum Initial sammeln um später verfeinert zu werden.

Ein Tool welches diese Daten kumuliert, auswertet und Annahmen trifft hilft nicht nur dem Bürger. Es hilft auch der Behörde Personal besser zu planen, Krankheitsfälle in vorausberechnete Wartezeiten einfließen zu lassen und gegebenenfalls Öffnungszeiten anzupassen.

Mit einer Reduzierung der Wartezeit, besserer Planbarkeit und auf allen Seiten weniger Frust und Ärger wäre jedem geholfen.

Liebe Zeitung

Liebe Zeitung,

ich gebe es ja zu. Es ist wirklich nicht einfach mit uns beiden. Jahre lang hast Du mich morgens begleitet. Am Frühstückstisch meiner Eltern. Schon in jungen Grundschuljahren. Du warst immer bei mir, hast mir in den Tag geholfen und auch wenn ich den Politik-Teil damals nicht wirklich interessant fand, oder schlicht nicht verstanden hab, habe ich gerne in dir geblättert, gestöbert und gelesen.

Du hast mich neugierig gemacht. Neugierig auf die Welt da draußen, neugierig auf dich und spannendes von neben an.

Nach meinem Auszug aus meinem Elternhaus und dem Einzug in die erste WG sind wir uns erst mal aus dem Weg gegangen. Du weißt schon: Neue Erfahrungen sammeln, mal was anderes kennen lernen und die Welt sehen. Aber irgendwann hast Du uns gefehlt und wir haben dich zu uns in die Gemeinschaft geholt. Erst auf Probe und dann über ein Jahr lang.

Aber nach ein paar Monaten war die Luft raus. Irgendwie wollte sich das Gefühl von früher nicht mehr einstellen. Vielleicht lag es daran, das sich mein Alltag mittlerweile nicht mehr auf der Schulbank – ganz ohne Smartphone – abspielte, sondern nahezu nur noch vor dem Rechner und dem Smartphone – der Arbeit wegen.

Politik interessierte mich mittlerweile immer mehr. Und auch was in der Welt geschieht finde ich sehr interessant. Aber all das, Du kennst das Dilemma, habe ich schon am Abend vorher gelesen, gehört und in bewegten Bildern genießen können. Zuhause, auf der Couch. Unterwegs im Café oder neben der Arbeit im ganz normalen www.

Eins hattest Du aber noch: Spannende, lokale Geschichten. Lokalkolorit und Lokalpolitik. Berichte, Bilder, Persönlichkeiten. Magazine aus und über die Region.
Alles Dinge, die ich im Netz auch nur von dir bekomme.

Aber selbst deine lokale Verbundenheit konnte uns nicht vor der Trennung retten. Ich habe irgendwie immer auf mehr gewartet. Wollte dir eine Chance geben, schauen ob Du dich in diesen schnelllebigen Zeiten noch einmal aufraffst. Mir zeigst, das Du mehr kannst als mir im Rheinischen-Format deine Geschichten zu präsentieren. Das Du offen bist für neues. Für neue Formate, neue Ideen, neue Wagnisse.

Weißt Du, auch wenn es jahrelang gut lief in unserer Beziehung, es fehlt einfach ein bisschen Feuer. Ich fühle mich schon länger nicht mehr gehört, nicht ernst genommen als treuer, junger Leser und Begleiter. Ein bisschen Selbstbewusstsein, ein bisschen Liebe und ein bisschen Zuneigung würde unserem Verhältnis sicher gut tun.

Vielleicht schaffen wir es ja bald zu einer Aussprache. Ich kenne viele deiner heimlichen Liebhaber, die dir gerne mit gut gemeintem Rat und auch Taten zur Seite stehen würden.

Ich bin mir sicher, das Du es noch schaffen kannst uns neugierig zu machen. Neugierig auf dich und deine Zukunft.

Dein
Tim

Breitband gehört in unsere Hand.

Google bringt in den nächsten Monaten das Internet nach Austin. Jetzt ist es nicht so, das in Austin bisher kein Internet da ist. Google bringt einfach nur das Netz in der schnellsten für Privatleute verfügbaren Form. Google Fiber reine 1000 Mbit Glasfaser. In beide Richtungen. Plötzlich hängt eine ganze Statt an einem so schnellen Internet, so das man nicht mehr merkt ob man gerade die Fotos im Netz wegspeichert oder auf die externe Festplatte ablegt.

Google tut hier etwas, was eigentlich nicht googles Job ist. Netze  (zum Endkungen) und Inhalteanbieter waren und sind heut zu tage meist noch getrennt. Doch scheint man in Mountain view nun nicht mehr darauf warten zu wollen, das die derzeitigen Anbieter die Netze selber ausbauen und nimmt es kurzerhand selbst in die Hand.

Nun kann man viel über Netzneutralität und über das Böse google reden, philosophieren und diskutieren. Aber eins ist offensichtlich: es gibt derzeit neben google eigentlich niemanden, der  ein so enormes Interesse an einem zügigen Netzausbau hat.  Apple und Microsoft verschlafen den Internet-Markt immer noch, facebook muss im mobilen-Segment ankommen. Nur google bekommt mit manchen Diensten langsam Probleme, wenn man hier mehr als Suchmaschine sein will (youtube, hangouts, google-drive).

Mit der geschaffenen Kapazität sind stationäre Rechner auf einmal obsolet. Rechenleistung kann ins wesentlich effizientere Rechenzentrum ausgelagert werden und die Cloud ist selbst bei Gigabyte großen Foto und Film-Archiven keine langsame Krücke mehr. Und das sind alles nur heutzutage Millionenfach praktizierte Beispiele.

Spaßig wird es nun, wenn sich angeschlossene Universtitäten, Startups, Mediziner, Physiker, Mathematiker und Garagen-Genies Anwendungsfälle ausdenken und realisieren, die mit den heutigen Leitungen schlichtweg undenkbar sind.

Und jetzt den Schwenk: Breitband in Deutschland ist, was schneller als 2Mbit ist. (500 mal weniger, als google derzeit liefert!).
Aber dieses Internet wird sicher wieder weg gehen. Wir werden eines Tages wieder mit Kutschen fahren und die Straßenlampen Abends wieder von Laternenanzündern entzündet.

Unsere Regierung tut herzlich wenig für einen vollflächigen Breitbandausbau. Das überlässt man, so wie unsere Stromnetze, den Konzernen. Werden die schon irgendwie richten. So wie unsere Gas-, Wasserleitungen und Straßen. Oooh. Moment. Die sind ja weitestgehend in Staatshand… Wenn “der Markt” es also nicht hinbekommt, für vernünftige Infrastruktur zu sorgen, sollte das wieder in Staatshände gelegt werden. Der darf das dann gerne wieder an den Markt verkaufen (Autobahnmaut, …), soll aber gefälligst seine Hausaufgaben machen.

Ansonsten kommt auch zu uns schon bald ein großer Suchmaschinenanbieter mit großen Scheinen, nimmt das Netz selber in die Hand und vernichtet, unter großen Protesten und Tränen, so nach und nach alle Trennung zwischen Inhalte-Anbieter und Netzbetreiber. Das kann und darf nicht in unserem Sinne sein.

Mein ‘Ja’ zur Campusbahn

Sonntag ist es soweit. Sonntag stimmen wir Aachener über eins der wichtigsten Projekte unserer Stadtgeschichte ab. Es geht um das Ja oder Nein zu Campusbahn. Erst neugierig, dann interessiert und zuletzt engagiert habe ich mich die letzten Wochen sehr intensiv mit diesem Thema auseinander gesetzt. Ich habe mit vielen Verantwortlichen, Bürgern, Befürwortern, Gegnern und Interessierten gesprochen. Einiges davon ist in fünf “Frittezang” Podcast-Folgen gelandet.

Neben einer überwältigen Mehrheit im Rat von über 90% gibt es keine mir bekannten Projekte in der Aachener Geschichte die darüber hinaus eine so enorme Unterstützung erhalten hat. IHK, VCD, der Einzelhandelsverband, ja selbst Greenpeace sind alle klare Befürworter des Projektes. Machbarkeitsstudien von 2008 haben die Stadtbahn als bestes gesamtstädtisches System ermittelt. Etliche Gutachten, Erfahrungen und Statistiken belegen Schienenbonus und positive Impulse durch Stadtbahnen auf die Stadtenwicklung.Die Kostenkalkulation wurde von unabhängigen Gutachtern bestätigt und viele der Argumente (Fonds Deutsche Einheit, Busnetzgutachten 2015+) die gerne angebracht werden mehrmals wiederlegt.

Trotzdem scheint die Bevölkerung sehr gespalten und ängstlich zu sein beim Thema Campusbahn. Deshalb möchte ich meine Entscheidung am Sonntag mit ‘Ja’ zu stimmen hier noch einmal in den meist diskutierten Punkten aufgreifen und dort begründen.

Falls mir Fehler unterlaufen sind, oder etwas ergänzt werden soll, bitte einfach in die Kommentare damit.

Worüber wird überhaupt abgestimmt?

Hier herrscht oft noch großes Unwissen. Am Sonntag stimmen wir Aachener zunächst darüber ab, ob wir uns eine Stadtbahn generell vorstellen können.

Wir sagen ‘Ja’

Mit diesem ‘Ja’ ist zunächst einmal nur diese Aussage besiegelt. Anschließend beginnt das Planfeststellungsverfahren. Wird während diesem z.B. eine enorme Kostenexplosion festgestellt oder unlösbare Probleme in der Strecke festgellt kann das Projekt noch immer gekippt werden. Dieser Fall ist sicherlich sehr unwahrscheinlich aber immer noch möglich. Wichtig ist festzuhalten das mit einem ‘Ja’ die Bahn nicht auf biegen und brechen gebaut wird.

Wir sagen ‘Nein’

Fall 1: Der Campus West wird mit Diesel-Bussen angeschlossen. Es verkehren Diesel-Busse zwischen Uniklinikum, Campus West und Bushof. Es entstehen Kosten von rund 1,85 Mio€ pro Jahr.
Fall 2: Fall Nummer 1 und eine Erweiterung des Busangebots auf der Achse in Richtung Brand. Die Maßnahme benötigt zur Abwicklung des Verkehrs eine eigene Beton-Fahrbahn für die Busse. Dieser Eingriff führt zu möglichen Kosten in Höhe von 4 Mio€ pro Jahr. (siehe dazu auch “Die Alternativen”)

Die Kosten

Viele befürchten eine Kostenexplosion. Seien doch Großprojekte wie S21 und BER vollkommen aus dem Ruder gelaufen. Jedoch ist jedes Bauprojekt ein Einzefall und muss auch als solchen betrachtet werden.

Bei der Campusbahn wurden als Kalkulationsgrundlage die Kosten von abgeschlossenen Stadtbahnprojekten aus anderen Städten genommen. Hier jedoch nicht nur die Gesamtkosten, sondern wie teuer welcher Kilometer (Besonderer Gleiskörper, Mischgleis, etc. ) waren.

Diese Methode von Prof. Bent Flyvbjerg wurde vom Nobelpreisträger Kahneman als “den wichtigsten Vorschlag, um die Genauigkeit von Prognosen zu verbessern” gelobt. (Spiegel Online)

Zudem sieht die Aachener Baubilanz ziemlich gut aus. Von 47 Bauprojekten mit einem Gesamtvolumen von 44,3 Millionen sind in der Stadt Aachen alle unterm Schnitt erfolgreich abgeschlossen worden. Einige davon sogar günstiger und schneller. (Aachener Zeitung).

Die Kalkulationen wurden zudem von einem externen Gutachter (beauftragt durch die IHK) so bestätigt. (Quelle IHK)

Und zu guter letzt: Auch ein “Nein” zur Campusbahn wird Kosten zur folge haben. Nahezu ähnlich hoch wie mit der Campusbahn. Siehe dazu: “Die Alternativen”

Können wir das Geld nicht für was anderes ausgeben? Schulen zum Beispiel?

Nein. Die Fördergelder sind zweckgebunden. Baut Aachen keine Campusbahn gehen diese nicht in einen anderen Topf sondern fließen in den Stadtbahnbau einer anderen Stadt.

Jedoch ist das Argument, Geld erst an anderen Stellen zu investieren, oder den Haushalt zuerst auszugleichen für mich eins der wenigen Schlüssigen Gegenargumente gegen das ich auch nicht versuche anzureden. Meine Priorität liegt derzeit neben dem Ausbau der Bildung ganz klar auf dem Ausbau des städtischen ÖPNV. Wer hier seine Prioritäten anders setzt wird bei mir mit offenen Armen empfangen und soll somit auch gerne die Campusbahn ablehnen. Eine Ablehnung aber nur “weil es teuer ist” ist mir zu einfach.

Die Finanzierung

240 Millionen Euro soll der ganze Spaß kosten. Das müssen wir ein bisschen aufteilen. Knapp 130 Millionen kostet der Fahrweg. Dieser wird zu 90% vom Bund und Land gefördert. Die Stadt trägt also noch einen Anteil von knapp 13 Mio. Fahrzeuge, Betriebshof sowie Planungs und Nebenkosten müssen komplett von der Stadt getragen werden und ergeben, je nach Szenrario, einen jährlichen Finanzierungsbedarf zwischen 4 und 6,4 Millionen Euro.

Hier inklusive sind sämtliche Investitionskosten, Betriebskosten, Tilgungen und Zinsen. (Quelle)

Das ist sicherlich kein Pappenstiel, aber Finanzierbar. Es gibt momentan diverse Ansätze wie  diese Millionen finanziert werden können. Ab 2014 übernimmt der Bund die vollen Kosten für die Grundsicherung im Alter. Ebenso spart Aachen ab 2019 jährlich knapp 15 Mio. durch den Wegfall von Solidarpakt und Fonds Deutsche Einheit. Oft wird von Gegnern behauptet das der Fonds nicht zur freien Verfügung stehen wird. Das ist jedoch nicht richtig. Der Fonds Deutsche Einheit ist ein Kredit, der bis 2019 abgetragen ist. Wie auch im privaten sind für einen Kredit keine weiteren Zahlungen mehr fällig, sobald dieser abgezahlt wurde.

Natürlich ist diese Investition auch ein Risiko. Niemand kann die Kosten auf Heller und Pfenning genau festzurren und niemand kann und will garantieren das Aachen nicht in den Nothaushalt gerät. Jedoch muss man dabei immer die Wahrscheinlichkeit sowie Kosten und Nutzen abwägen. Die Campusbahn macht im Städtischen Haushalt 0,8 – 1,3 % aus. Sozialleistungen hingegen knapp 55%. Steigen die Arbeitslosenzahlen rugartig an, belastet dies den Haushalt sofort und ungeplant wesentlich dramatischer.

Die Streckenführung

Geplante Streckenführung

Auch wenn der Name zunächst etwas anderes vermuten lässt, wird mit der Campusbahn nicht nur der Campus angebunden. Die geplante Trasse führt von Brand die Triererstrasse über den Adalbertsteinweg hinunter. Über den Willy-Brandt-Platz vorbei an C&A durch die Blondelstraße hindurch den Bushof passierend, aufwärts den Seilgraben hoch zum RWTH Hauptgebäude. Ab hier ist die finale Streckenführung noch nicht ins letzte Detail festgelegt. Eine Variante führt über die Wülnerstr, die andere hinter dem Hauptgebäude entlang. Vorbei am Campus-West über eine Brücke (zum kreuzen der DB-Anlagen) hinauf zum Campus Melaten.

Die genaue Streckenführung kann sehr schön unter http://bahnfreifuerac.bplaced.net/ betrachtet werden. Die Pläne findet man unter  http://www.campusbahn-aachen.de/infocenter/plaene/

Angebliche Einspurrigkeit

Sicher ist: Die gegebene Zweispurigkeit wird vom Kaiserplatz bis hoch nach Brand komplett erhalten. Dort wo die Straße zu eng für eine eigene Trasse ist, teilt die Campusbahn sich die Spuren mit dem Autoverkehr in Mittellage. Durch die Mittellage kann auch weiterhin der Lieferverkehr sowie die Müllabfuhr halten und behindert Bahn und Individualverkehr nicht mehr als heute. Ebenso bleiben die Radschutzstreifen erhalten und werden im Bereich Adalbersteinweg  sogar noch weiter ausgebaut. Die Querschnitte der Straßen sind hier zu finden: http://www.campusbahn-aachen.de/infocenter/plaene/

Wegfall von Buslinien

Durch die Campusbahn werden knapp 1,6 Millionen jährliche Buskilometer im derzeitigen Busnetz eingespart. Vor allem betrifft dies die Zusammenlegung der 5er Linien von Brand “auf die Schiene”. Die Gegner behaupten gerne, im Südraum müsste man künftig immer in Brand umsteigen. Dies trifft jedoch auf die wenigsten Stadtteile zu. Einzig Kornelimünster verliert eine Umsteigefreie Verbindung in die Stadt. Alle anderen behalten Direktverbindungen bis in die Stadt. (Siehe Angepasstes Busnetz mit Campusbahn )

Die Notwendigkeit

Es ist viel über Kapazität, Kollaps, Engpässe geschrieben und geredet worden. Neben den hinlänglich bekannten Problemen der Anbindung des Campus-West sowie Melaten und der Kapazitätsproblematik am Adalbertsteinweg zu Spitzenzeiten wird jedoch gerne die Notwendigkeit von Umweltfreundlicherem ÖPNV vernachlässigt. Mit 66 Mio Menschen die jährlich mit der ASEAG unterwegs sind ist das Ende der Fahnenstange noch lange nicht erreicht. Junge Menschen besitzen immer weniger Autos, steigen um in den ÖPNV.

Feinstaub / Lärmschutz / Umweltzone

Aachen rutscht immer mehr in Richtung Umweltzone. Nur durch die viele Anstregungen der letzten Jahre konnte eine Umweltzone bisher vermieden werden. Einen Großteil der Feinstaub Belastung macht dabei der aktuelle Busverkehr im Aachener Talkessel aus. Selbst mit Elektrobussen würde durch den Reifenabrieb immer noch erheblicher Feinstaub erzeugt. Eine Stadtbahn hingegen kann dank regenerativer Energieversorgung und nahezu Null Abrib als Feinstaublos betrachtet werden.

Behindertengerecht

Hier kann eine Stadtbahn enorm Punkten. Im Gegensatz zum Bus fährt eine Stadtbahn dank der Schiene immer ganz nah an jede Haltestelle an. Kann fast auf den Zentimeter genau jedes mal an der gleichen Stelle halten, bietet einen Niveaugleichen Einstieg und deutlich mehr Türen als ein Bus.

Was passiert wenn die Campusbahn nicht kommt?

Eines ist damit besiegelt: Es wird keine Straßenbahn in absehbarer Zeit geben. Weder vom Campus bis nach Brand noch vom Bushof bis zum Campus-Melaten. Trotzdem muss gerade der Campus an das öffentliche Nahverkehrsnetz angebunden werden, die Kapazitätsprobleme am Adalbertsteinweg gelöst werden und über Wege weg vom Öl nachgedacht werden.

Viele Gegner Befürwortern ausdrücklich die ursprünglichen Planungen der Campusbahn. Also die Strecke vom Bushof bis zum Klinikum mit einer Bahn anzubinden. Diese Strecke kostet alleine 4,7 Mio jährlich da hier keinerlei Förderung fließt.  (Ratsinfo, Anlage 2 Seite 78) Stimmen wir am Sonntag jedoch mit ‘Nein’ wird dieses Szenario auch niemals Realität werden.

Die Alternativen

Da die Problematik am Adalbersteinweg mit der aktuellen Situation nicht handhabbar ist, läuft hier  dann wohl alles auch auf einen eigenen “Buskörper” hinaus. Das heißt eine Trasse aus Beton für Elektro, Hybrid oder Oberleitungsbusse. Diese Trasse würde man auch im neu zu erschließenden Campus-West errichten. Zudem müssten auch Oberleitungen und Lademöglichkeiten für Elektor und O-Busse geschaffen werden.

Die Anschaffungs, Betriebs und Dieslkosten werden für diese Alternative (laut einer ASEAG Studie aus dem Jahre 2008) auf ca. 1,8 Mio. € jährlich beziffert. Hinzu kommt der Trassenbau  und Oberleitungen  sowie Instandhaltung für knapp 2 Mio jährlich hinzu. (knapp 120 Millionen Investition in Fahrwerge die nicht gefördert werden.

Im Gegensatz zu der sehr weit vorangeschrittenen und soliden Finanzplanung zur Campusbahn sind mögliche Alternativen bisher nicht ausgiebig kalkuliert und könnten ebenso noch deutlicher nach oben abweichen. Die grob geschätzten Kosten für das schlechtere Verkehrsmittel liegen ungefähr gleichauf mit der Campusbahn.

Busnetzgutachten 2015+

Anders als oft behauptet, schlummert in diesem Gutachten nicht die Lösung aller Probleme. Das angefertigte und momentan pausierende Gutachten hatte von Anfang an nie das Ziel Kapazitätsprobleme zu lösen. Wesentliche Punkte des Gutachten sind: Umgestaltung des Bushofs (bzw. Prüfung ob einer Verlegung dessen zum HBF möglich ist), Angebotsoptimierung im Südraum, Erschließung des Hochschulbereiches sowie Schienenanbindung der Aachener Innenstand (Euregiobahn). Zu finden ist der Zwischenstand im Ratsinformationssystem.

Nachteile

Natürlich ist nicht alles rosig bei solch einem Großprojekt. An einigen Stellen müssen Kompromisse gefunden werden, Bäume werden weichen müssen, an manchen Stellen beide Fahrspuren enger werden. Ein paar Menschen werden bei Wind und Wetter in die Bahn umsteigen müssen, andere werden sich durch Baustellen belästigt fühlen.

Baustellen

Gerne wird befürchtet, das Straßenabschnitte die Jahrelange Baustellen gerade hinter sich gelassen haben nun wieder im totalen Verkehrschaos untergehen werden. Am Beispiel Triererstrasse kann man jedoch schnell zeigen, das diese Sorgen oft unbegründet ist. Hier wurde zuletzt neben der Straße alle Versorgungsleitungen erneuert. Das ist nun erledigt und verkürzt die Bauzeit enorm. Inklusive Bahnsteige werden z.b. in Düsseldorf rund 500 Meter Schiene in existierende Straßenabschnitte innerhalb von sieben Tagen (einer Woche!) verlegt.

Anders sieht es hingegen am Adalbertsteinweg aus. Die letzte Straßensanierung fand in den 70er Jahren statt. Die Kanäle sind gute hundert Jahre alt. Eine Sanierung des Kanalsystem sowie der Straße ist somit ohnehin in den nächsten Jahren fällig. Kommt die Campusbahn, wartet man hier aber noch so lange und macht es dann in einem Rutsch mit.

Umsteigen

Zweifelsohne ein Punkt, den man nicht von der Hand weisen kann. Aus dem Aachener Süden kommende Bürger werden oftmals in Brand in die Campusbahn umsteigen müssen. Hier ist auch nicht viel dran schön zu reden, jedoch muss man sich die Frage stellen, ob ein Projekt dieser Größenordnung wirklich immer auf jeden einzelnen Beteiligten Rücksicht nehmen kann. Zudem werden aus den meisten Südorten weiterhin Direktbuslinien in die Stadt fahren, die dann jedoch nicht über die Trierstrasse sondern andere Wege fahren. (Siehe Angepasstes Busnetz mit Campusbahn )

Vertrauen und Engagement

Was mich enorm gewundert, ja nahezu erschüttert hat, ist das entgegengebrachte Vertrauen in Politik, Planer und Gutachter dieses Projektes. Man kann von gewissen Entscheidungen, Prozessen und Strukturen halten was man will, aber eines hat mich doch enorm verwundert: Ganz oft wird prinzipielles Misswollen unterstellt. So, als ob “die da oben” nur das schlechteste für uns wollen und sich keinerlei Gedanken bei einem solchen Projekt gemacht haben.

Manche Kritik kann ich verstehen. Nach aller Einarbeitung in dieses Thema, jedoch nicht mehr den Schrei nach mehr Beteiligung im Vorfeld. Alle Planungen, ja nahezu alle Ausschüsse waren öffentlich. Spätestens seit 2008 (da ging es erstmal größer durch die Presse) hätte man sich aktiv beteiligen können. Der Mobilitätsausschuss besteht knapp zur Hälfte aus “Fachkundingen Bürgern”. Eine Parteimitgliedschaft ist hier also nicht nötig.

Schade das den Planern und Fachleuten im Mobilitätsausschuss immer wieder Inkompetenz unterstellt wird, aber niemand diesen Job dann mache möchte. Ehrenamtlich, für eine Mini-Entschädigung. Vor allem eins habe ich in den letzten Wochen gemerkt: Wer sich wirklich Engagieren und etwas verändern möchte, kann das schaffen. Das kostet vielleicht Zeit und Nerven, ist aber lange nicht so unmöglich wie oft behauptet.

Danke

Ich möchte diese Stelle auch einmal kurz Nutzen um ‘Danke’ zu sagen. Danke an die vielen engagierten Menschen die sich in den letzten Wochen so Intensiv mit dem Thema Campusbahn auseinander gesetzt haben. Ich habe viele tolle Menschen kennen und schätzen gelernt. Sowohl auf Seiten der Befürworter wie auf der gegnerischen Seite. Man merkt jedem einzelnen das Herzblutt an mit dem er bei diesem Projekt drin steckt. Kaum jemand hat mir das Gefühl vermittelt, er engagiert sich nur weil er “muss” bei diesem Projekt. Das ist sicherlich nicht selbstverständlich und deshalb doppelt schön zu sehen was Politik doch noch bewegen kann.

Fazit

Ich finde das Konzept der Campusbahn und den Wert für unsere Stadt hervorragend. Die Campusbahn entlastet nicht nur wichtige Achsen, bindet den neuen Campus an und sorgt für umweltfreundlichen Öffentlichen Nahverkehr. Die Campusbahn setzt vielmehr ein Zeichen für unsere Region und weit darüber hinaus. Mit der Campusbahn zeigt die Stadt, das es ihr wichtig ist ihre Bürger vernünftig und gut durchdacht durch Aachen zu befördern. Mit der Campusbahn können wir die Umweltzone wahrscheinlich umgehen und schaffen als einer der ersten Städte Deutschlandweit ein dichtes Netz für Elektromobilität.  Ohne Risiko und Innovationsgeist gibt es keinen Fortschritt. Manchmal muss man auch große Risiken eingehen um Impulse zu setzen und Lebensqualität zu verbessern.  Neben allem Fahrkomfort, Barrierefreiheit, Zeitgewinn und weniger Lärm sieht eine Stadtbahn zudem noch gut aus.

Für mich ist die Campusbahn eine, wenn nicht gar die sinnvollste, Investition in die Aachener Infrastruktur. Eine Entscheidung ob Aachen weiterhin im städtischen Wettbewerb Provinz bleiben möchte oder sich als Wissenschafsstadt behaupten möchte.

Eine Campusbahn ist gut für unsere Stadt. Für dich, für mich, für uns.

Ergänzende, informative Links:

Vom reden und bloggen

Mitte 2006 habe ich hier mein erstes Blog eröffnet. Auf einer uralten WordPress-Version und insgesamt mit recht wenig Inhalt. Der schönste Beitrag daraus ist wohl immer noch der, das ich mit dem Rauchen aufhörte. Lange Zeit habe ich nicht geschrieben. Dann kam Facebook, kurze Status-Updates. Zu immer mehr Themen bildete sich aber eine Meinung. Über immer mehr Dinge wollte ich schreiben. Ich versuchte es mit einem tumblr und zog dann wieder auf dieses Blog hier um.

Nun ist aber auch der letzte Beitrag schon einige Wochen alt. Mehrere, längere Beiträge liegen halbfertig herum. Beiträge, die mir wichtig sind, die ich aber, aus Gründen, nicht fertig bekomme. Schreiben fällt mir schwer, wenn ich es nicht in einem Rutsch runterbekomme.

Schreiben ist oft zu sehr auf den Punkt, Missverständnisse versucht man auszuschließen, über manche Sätze grüble ich länger als Wulff im Amt war.

Beim reden und zuhören ist das anders. Deswegen versuche ich es jetzt (auch) mit podcasts.

Frittezang heißt der Kanal den ich drüben eröffne. Zwei Folgen sind im Kasten und ich freue mich auf viele weitere. Die Liste interessanter Menschen ist lang und erweitert sich ständig. Ich freue mich über Feedback. Hier, drüben, oder auf einem der anderen Kanäle.

Offener Brief gegen ein Leistungsschutzrecht

Liebe Frau Schmidt,
liebe Frau Müller,
lieber Herr Henke,
lieber Herr Hunko,

am Donnerstag soll zu Nachtschlafender Zeit ( am 29.11.2012 von 01.50-02.25 ) die erste Lesung zum geplanten Leistungsschutzrecht erfolgen.

Ich möchte in dieser Mail gar nicht lange darauf eingehen, was das Internet für unsere Gesellschaft, den Wirtschaftsstandort Deutschland, oder auch ganz speziell unsere Aachener Region bedeutet.

Aber eines kann ich nicht ungesehen an mir vorbei ziehen lassen: Die geplante Einführung eines Leistungsschutzrecht für Presseverlage. Ein Gesetz was in aller erster Linie Verlagen wie Axel-Springer oder der FAZ in die Hände spielt und massive Rechtsunsicherheit schafft, kann nicht in Ihrem Interesse sein.

Ich arbeite, lebe und kommuniziere im Web. Verlinke auf Twitter Nachrichtenseiten, kommentiere in meinem Blog Artikel, oder Teile mit meinen Freunden Links auf Facebook. Alles Aktionen, die bei dem aktuellen Gesetzentwurf wahrscheinlich unter das Leistungsschutzrecht, mindestens jedoch in einer rechtlich absolut unklaren Zone stattfinden würden.

Ein Gesetz, welches das (lizenzfreie) Teilen auch von kürzesten Textauszügen zum Verweis auf Presseerzeugnisse verbietet, kann nicht im Interesse unserer Gesellschaft sein.

Eine sehr gute und fundierte Stellungnahme zum Leistungsschutzrecht, welche die Gesamtproblematik gut beleuchtet hat das Max-Planck-Institut für Immaterialgüter- und Wettbewerbsrecht vor kurzem veröffentlicht: http://www.ip.mpg.de/files/pdf2/Stellungnahme_zum_Leistungsschutzrecht_fuer_Verleger.pdf

Ich bitte Sie deshalb inständig, sich bei der kommenden Lesung und im Vorhinein gegen die geplante Gesetzesänderung einzusetzen.

Herzliche Grüße aus Ihrem Wahlbezirk Aachen
Tim Becker

Vimeo dreht das Rad weiter beim Medien-Roulett.

Während Verlage ums Überleben kämpfen und ihre Druckstraßen im Jahre 2012 für mehrere Millionen auf Vier-Farb-Druck aufrüsten, grausamste Formen von Ad-Layer-Werbung getestet werden und Video-Portale zwischen 3 Minuten Clips alle 30 Sekunden Werbung schalten, haben sich glücklicherweise am Rande des Internets andere Mitspieler etabliert. Vimeo. Durch Premium-Zugänge schon lange auf einer soliden Finanzierung stehend, beteiligt nun, das vor acht Jahren gegründete Unternehmen, die Kreativen am Erfolg seiner Plattform. Vimeo führt ein Bezahl-Modell ein. Somit können Video-Produzenten ein kleines Trinkgeld einstreichen. Oder direkt ihre Inhalte für einen Betrag X zum Abruf einstellen.

Vimeo braucht nicht viel Mut für diesen Schritt. Die Qualität der Filme ist insgesamt außerordentlich hoch. Die Plattform wird von vielen Konsumenten und Produzenten geschätzt. Vimeo ist etabliert und neben dem Ramschrummelplatz Youtube das Video-Portal für hochwertige Unterhaltung. Ein Trinkgeld wird der ein oder andere sicher gerne lassen. Jeder Euro der fließt, ist einer mehr als bisher. Ohne nervige Werbung. Ohne vorgeschaltete Spots. Gute (Kurz-) Filme werden ihren Schnitt machen. Denn Qualität, gute Unterhaltung und ein verlässlicher Dienst ist der Kostenlosmentalitätskultur ‘im Internet’ etwas Wert. Vorausgesetzt das Geld hinterlassen funktioniert so unaufgeregt und unaufdringlich wie es Vimeo vormacht.

Das die alten Medien-Mitspieler für diese Erkenntniss noch ein paar Jahre brauchen werden, ringt mir mittlerweile kaum mehr als ein Mitleidiges Schulterzucken ab.

 

Webcon 2012

Am vergangenen Samstag fand die erste Webkonferenz in Aachen statt. Philip und ich trafen uns um um kurz vor 7 Uhr bei mir zum Frühstück. Denn schon um 8:30 sollte der Einlass und die Verteilung der WLAN Zugangsdaten beginnen. Und eins wollte wir unter allen Umständen vermeiden: Ankommen wenn das WLAN alle ist.

In der schönen Jugendherberge am Rande der Maria-Theresia-Allee verteilten sich vier Vortragsräume auf zwei Gebäude. Dank des spätsommerlichen Wetters konnte aber auch der Außenbereich wunderbar genutzt werden.

Im Schatten der herbstlichen Bäume trafen sich knapp 150 Menschen die sich irgendwie für die angebotenen Webthemen interessierten. Wie leider auf solchen Konferenz üblich, bildeten die Männer einen Großteil der Interessenten, jedoch war die Frauenquote für Aachener Verhältnisse nicht die schlechteste.

Das auf drei Etagen verteilte Seminargebäude der Jugendherberge lud dann nach einem Kaffee im Erdgeschoss zum Auftakt ein. Michael Keukert und Volker Goebels stimmten ein auf die kommenden fünf Stunden und gaben einen groben Überblick was uns erwarten sollte. (mehr…)

Kein Versagen beim Leistungsschutzrecht.

Wolfgang Michael beschwört auf carta das versagen der Netzgemeinde herrauf. Die Petition 35009 – ”Ablehnung des Leistungsschutzrechts für Presseverlage” ist ziemlich klar an dem Ziel von 50.000 Mitzeichnern vorbeigerauscht.

Aber kein Grund zur Sorge. Das Leistungsschutzrecht, ist nach wie vor ein Thema, was die breite Masse, anders als Acta oder die Vorratsdatenspeicherung nicht direkt betrifft. Im wahrscheinlichsten Falle, sollte es umgesetzt werden, fehlen demnächst einige Verlagsseiten bei google News und anderen Diensten.

Das wird Otto Normal kaum auffallen. Oder er surft bild.de fortan direkt an. Zudem kommt es mir so vor, als ob viele Menschen hier im Netz prinzipiell gegen ein LSR sind, aber langsam etwas Müde geworden sind. Müde, gegen die Mühlen zu mahlen aber voller Hoffnung, das der Schuss der Presseverlage ziemlich nach hinten losgeht. Das “das Netz” es hierbei aber nicht geschafft hat mit einer (sehr drögen) Petition mehr Zeichner zu finden, zeigt für mich nicht, das wir unsere Stimme und Schlagkraft verloren haben.

 

Leistungsschutzrecht

In einigen Jahren wird jemand vor die Kameras treten, wehmütig dreinschauen und eingestehen was das Leistungsschutzrecht nur für ein Schwachsinn war. Das man es insgesamt verschlafen hat der Internetwirtschaft (sic!) unter die Arme zu greifen und Netz-Innovationen wegen abstruser Gesetze und Regelungen in Deutschland einfach nicht möglich waren.
Aber dann wird es zu spät sein und wir zahlen unsere Steuern längst in Ländern, die diesen Markt nicht komplett belächelt haben.

Aus Gelb wird endlich Rot.

Gestern fand zum zweiten mal der “Runde Tisch gegen Rechts” mit dem Schwerpunkt Alemannia statt. Philipp Emmert war für die Piraten dort und hat den Tisch sehr ausführlich niedergeschrieben.

Seit ein paar Wochen geht die Berichterstattung der Presse ja glücklicherweise immer mehr auf die bisher so verkannte Problematik ein. Auslöser waren nicht zuletzt die Vorfälle in Sarbrücken. Ich bin froh, das Polizei, Alemannia, Fanprojekt und Politik mittlerweile geschlossen von einer rechten Unterwanderung in der Karslbande sowie von der Karlsbande ausgehender Gewalt in Richtung Aachen Ultras reden. Aus der gelben Karte gegen Rechts wird nun endlich eine Rote. Das hat lange gedauert. Ich hoffe nicht zu lange.

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Die nächste Stufe zu mehr Transparenz ist erbaut.

Zeit Online hat heute etwas großartiges veröffentlicht. Einen anonymen Briefkasten. Prinzip: Wikileaks. Über eine verschlüsselte Verbindung kann jeder recht anonym dem Verlag Informationen und Dokumente zukommen lassen. Zeit Online dazu:

Interne Papiere, Verträge, Datenbankauszüge – wenn Sie finden, dass die Öffentlichkeit davon erfahren sollte, können Sie uns diese Dokumente hier übermitteln.

Anschließend werden die Dokumente von Metadaten befreit, also weiter anonymisiert und einem Redakteur verschlüsselt weitergeleitet.

Wir verstehen uns nicht als Leaks-Plattform wie etwa Wikileaks. Alle hochgeladenen Informationen werden journalistisch überprüft und für die Berichterstattung bei ZEIT ONLINE und/oder DIE ZEIT ausgewertet. Ob Dokumente, die uns erreichen, anschließend von uns publiziert werden, entscheidet sich dann im Zuge dieses redaktionellen Sichtungsprozesses.

Anders als Wikileaks werden die hochgeladenen Dokumente nicht einfach veröffentlicht sondern Journalistisch geprüft.

Ein, wie ich finde, wichtiger und richtiger Weg bei aller geforderten Transparenz. Nicht jedes Hinterzimmer Gespräch, nicht jede Gästeliste müssen von allen Menschen öffentlich eingesehen werden können. Ich vertraue da (immer noch) auf das Urteilsvermögen der Journalisten. Und für den Fall das ein Datenspender sorge hat, jemand sei bei der Zeit befangen, gibt es immer noch genügend andere Stellen an die Informationen gespendet werden können.

Damit ist eine neue Stufe im Journalismus angebrochen. Vertrauliche oder brisante Informationen müssen nicht mehr persönlich übergeben werden sondern können über das Netz nahezu anonym übermittelt werden (Technische Details im Blog). Die von Zeit Online Entwickelte Software ist auf GitHub Open Source verfügbar. Somit kann jeder andere Verlag, Blogger oder Organisation das Leak-Tool für sich einsetzen, anpassen und verbessern.

 

Insolvenz? Na und?!

Neckermann Insolvenz Kampagne: Offensiv nach vorne

Sehr schön wie offensiv Neckermann mit der aktuellen Insolvenz umgeht. Offensiv nach vorne. Das sorgt bei Facebook schon einmal für mächtig Likes, verbreitet sich langsam über Twitter und führt am Ende wohl bei den meisten zu einem Schmunzeln und einem sympathischen Markenbild. Gut so Neckermann.

Es nervt: Gründe suchen die es nicht gibt.

Sommerloch? Langeweile? Ahnungslosigkeit? Rechtfertigungsversuche? Ich hab keinen blassen Schimmer, was in den Köpfen der Menschen angesichts der aktuellen Berichterstattung zum schrecklichen Massaker in Aurora los ist.

Was war sein Motiv? Welche Killerspiele spielte er? War er sozial isoliert weil er kein Facebook nutzte?

Können wir uns nicht einfach drauf einigen, das es immer verrückte auf der Welt geben wird? Können wir nicht lernen, damit umzugehen? Könnte es nicht besser werden, wenn solche Taten nicht bis ins letzte Detail Medial ausgeschlachtet und nach Gründen gesucht wird? Muss es immer für alles einen Grund geben? Muss alles als Titelseite ausgeschlachtet werden, was keinerlei Nachrichtenwert hat? Mir geht es gehörig auf den Sack.

Natürlich ist die Tat schrecklich. Natürlich möchten die Angehörigen Antworten. Natürlich muss man alles unternehmen das so eine Tat nicht noch einmal passiert. Natürlich könnte man die Waffengesetzte verschärfen. Oder anstatt dessen Batman Kostüme verbieten. Wir könnten überall Kameras hinhängen, Facebooks Nachrichtendienst überwachen, Daten auf Vorrat speichern. Strafen verhängen und das Netz zensieren. Wir können versuchen immer und überall jeden Schritt, jeden Gedanken, jedes Tun und jedes Handeln zu überwachen und zu kontrollieren. In so einer Gesellschaft möchte ich aber nicht leben.

Alle Maßnahmen, alle Berichte, ändern nix daran das es immer diese Idioten geben wird. Die ohne erkennbaren Grund, ohne Auffälligkeiten, einfach so, in Schulen, Kinos, Flugzeuge oder Städte stürmen und wahllos Menschen umbringen.

Das Ende von Windows im Endkonsumentenmarkt.

Marcel Weiss stellt auf neunetz.com eine durchaus Denkenswerte Beobachtung auf. Ubuntu scheint neben iOs und Android das nächste System zu sein, welches den Markt aufrollen könnte.

Aktuell fliegt das ganze noch ziemlich unter dem Radar. Aber gerade im Endkosumentenmarkt braucht es jetzt schon nicht viel mehr als ein schlankes, stabiles System mit einem guten Browser. Das alles hat Ubuntu. Für null Euro. Mit der Einfürhung der Web-Api öffnet Canonical (die Firma hinter Ubuntu) eine neue Schiene die die großen noch nicht für sich erkannt haben. Das System wird zur Plattform, Entwickler nehmen sich dieser an. Erfinden nützliche Tools und machen Ubuntu so immer interessanter für den Massenmarkt. Windows wird es gegen null-Euro Software wie iOs, Android und Ubuntu immer schwerer haben.

Erstes Coworking Treffen in Aachen

Am vergangenen Mittwoch haben sich René Bohne (Fablab), Alexander Plitsch, Matthias Lenssen (beide Nunzig), Christof Schreckenberg (Gründerzentrum Kulturwirtschaft / WERK52), Katrin Futterlieb (Stadt Aachen / Unternehmensförderung Kreativwirtschaft), Aron Binienda (Coforward), Rolf Kuck (Kosmonautika), Tobias Oebel (C/O) und meine Wenigkeit (WESTWERK / C/O) zum Coworking-Austausch im Nunzig getroffen.

Eine bunte Runde mit einer Fragen:  Wie kann man sich untereinander besser vernetzen?

Schnell wurde klar, das die Erwartungen und das Verständnis von Coworking sehr unterschiedlich sind. Von der reinen Vernetzung, über Aufträge generieren bis hin zu “irgendwie was Gemeinnütziges”. Tages-Tarife, 24/7 Zugang mittels Apps oder langfristige co-Mieter. Aber in einem Punkt war man sich einig: Den Gedanken von Coworking kennen zu wenige. Zu viele Freelancer, Selbständige und zwei bis drei Mann Büros ist die Idee hinter Coworking nicht bekannt.

Coworking: Freiberufler, Kreative, kleinere Startups oder digitale Nomaden, die unabhängig voneinander agieren oder in unterschiedlichen Firmen und Projekten aktiv sind, arbeiten [...] zusammen und können auf diese Weise voneinander profitieren. Coworking stellt Arbeitsplätze und Infrastruktur (Netzwerk, Drucker, Scanner, Fax, Telefon, Beamer, Besprechungsräume) [...] und ermöglicht die Bildung einer Gemeinschaft [...]. Dabei bleibt die Nutzung jedoch stets unverbindlich und zeitlich flexibel.

Quelle: http://de.wikipedia.org/wiki/Coworking

Was ist.

Im beschaulichen Aachen existieren derzeit schon drei Coworking-Räume in der Stadt sowie ein Inkubator mit Coworking Ansatz im Technologiezentrum Herzogenrath. Die Kommunikation untereinander ist bisher, wenn überhaupt vorhanden mäßig. Eine Vernetzung und Synergien bestehen derzeit nicht.

Potentielle Coworker dürfte es in Aachen reichlich geben. Zumindest wenn keine Semesterferien sind, oder die frischen Absolventen nicht alle nach Hamburg, Köln oder Berlin abhauen weil es hipper ist. Wie also junge Kreative, kleine Agenturen und frische Absolventen vom Coworking überzeugen? Sind die Einstiegshürden zu hoch? Trauen sich so wenige einfach mal reinzuschauen? Oder Kommunizieren wir bisher nur schlecht das es Räume gibt?

Was soll.

Wir möchten uns untereinander besser vernetzen. Coworking in die Köpfe der Aachener tragen. Ideen und Konzepte entwickeln, warum Coworking gut ist und sich Coworking lohnt. Coworking lebt vom Austausch, von verschiedensten Menschen und Berufszweigen. Ist günstig und irgendwie besser als alleine im stillen Kämmerlein zu hocken.

Was wird.

Es kam die Idee auf, mit einer lockeren Veranstaltungsreihe zu starten und erstmal den Gedanken des Coworking sowie die vorhandenen Räume vorzustellen. Eine Mischung aus Barcamp, Webmontag, Designersaufen, grillen und nachher Party. Das ganze dann über bekannte Verteiler kommunizieren und vor allem auch bei Studenten der FH und TH bekannter machen.

Um die Veranstaltungsreihe zu organisieren, treffen wir uns nun einmal monatlich im Wechsel. Bisher ist der zweite Mittwoch im Monat angedacht. Das nächste Treffen wird wohl in der Königstraße stattfinden. Wer Lust hat, vorbeizuschauen ist eingeladen. Genauer Termin, Uhrzeit und Ort folgen noch.

Fazit

Ein konstruktives, interessantes Treffen mit guten Ideen. Ich bin gespannt, ob sich die anfängliche Euphorie hält und man es gemeinsam schafft, das ganze voran zu bringen. Potential hat das ganze jedenfalls.

Gruppendynamik (update)

Vor über 25 Jahren begann eine Geschichte. Die Geschichte meines Lebens. Aber auch die Geschichte einer Gruppe. Eine Gruppe, die so einmalig ist, wie meine Geschichte.

Mehrmals wöchentlich  trafen sich meine Eltern mit anderen Pärchen. Aus der gleichen Stadt, aber aus unterschiedlichsten Vierteln, verschiedenste Berufe, Religionen und politische Ansichten. Interessen der anderen? Keine Ahnung. Beruf? Unwichtig. Swingerclub? Nicht ganz.

(mehr…)

Entdeckung der Langsamkeit

Ich mag Gespräche. Gut werden sie, wenn sie lang sind, wenn sie in die Tiefe gehen. Kontrovers dürfen, aber müssen sie nicht sein. Gut wenn sich zwei Gesprächspartner kennen, aber auch schön mit neuen Menschen zu sprechen.

Ich führe gerne Gespräche. Aber ebenso gerne höre ich zu. Und dafür gibt es etwas wunderbares:

Podcasts.

Das ideale Medium zum zuhören. Seit einigen Wochen Monaten lausche ich nun auf dem Weg ins Büro, beim Einkauf oder beim joggen Holger, Tim, Johnny & Tanja, mspro und Max, Frank und Fefe sowie Linus Neumann mit Tim Pritlove.

Interessenbedingt behandeln die meisten Podcasts, die ich höre, Themen rund ums Netz, die Digitale Gesellschaft und Technik im allgemeinen.
Aber dank des tollen Internets gibt es zu so ziemlich jedem Thema einen Podcast. Egal ob Yoga, Politik, Bildung oder Comedy. Sicherlich also auch etwas für euch dabei. Für den Einstieg aber hier nun meine Empfehlungen. Viel Spaß beim zuhören. Weitere Empfehlungen sind in den Kommentaren sehr willkommen.

Meine Podcast Empfehlungen

Not Safe For Work

Tim und Holgi sprechen alle zwei Wochen über so ziemlich alles. Bisschen Netz, bisschen Politik, bisschen Podcast, bisschen Leben, bisschen Job, bisschen alles und bisschen so. Sehr unterhaltsam und immer wieder ein schöner Überblick was so in der Welt passiert ist.

Wrint

Holger Klein veröffentlicht auf “Wer redet, ist nicht tot.” unterschiedliche Podcast. So geht es z.B. einmal im Monat im Rahmen der Ortsgespräche zu Christoph Lauer ins Büro (Piraten, Berliner Landtag). In der Wrintheit werden Hörerfragen an Holgi und Nicolas beantwortet und im Realitätsabgleich geht es zusammen mit Toby um die vergangene Woche. Wenn Holger anruft wird es oft richtig spannend. In ein bis zwei Stunden langen Podcast unterhält sich Holger mit Menschen die irgendwo auf der Welt sitzen Fondsmanager sind, nach Polen ausgewandert oder sich mit Strom auskennen.

Spreeblick

Die beiden sowieso schon total sympathischen Berliner Tanja und Johnny Haeusler setzen sich in unregelmäßigen Abständen vor das Aufnahmegerät. Meist ohne konkretes Thema. Das macht das ganze ungemein locker und spannend, weil man nie so richtig weiß worüber die beiden in den nächsten fünf Minuten reden werden.

Wir. Müssen reden.

Michael Seemann (mspro) und Max Winde reden monatlich über Kultur und Politik und Welt. Und Dinge. Manchmal mit Gästen. Auch mal alleine. Manchmal wir. Aber immer irgendwie gut.

 

Wieder hier.

Ich habe mir Sascha Lobos Vortrag auf der diesjährigen re:publica zu Herzen genommen.

Mein Blog ist wieder hier. Auf dem eigenen Server, mit der eigenen Datenbank, mit ein bisschen selber Hand anlegen und irgendwie dem guten Gefühl alles selber unter Kontrolle zu haben. Halbwegs zumindest, ist ja schließlich immer noch ein WordPress.

Ich versuche nun wieder regelmäßiger zu bloggen und bei manchen Themen auch mal etwas in die Tiefe zu gehen. Aber jetzt freue ich mich erst einmal auf das neue Zuhause. Der Tumblr-Blog bleibt weiter bestehen wird aber mehr und mehr automatisch bespielt.

Auf fröhliches bloggen.

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