Netznichtversteher

Eurokrise, Rechtsradikaler Terrorismus und liebesgemauschel in den oberen Reihen der Linken. Alle zerreißen sich wieder die Mäuler. “Haben wir es doch gewusst”, “stürtzt das System”, “Banken in die Schranken”. Ich halt mich da eher zurück, denn ich kann nicht mitreden.

Finanzen haben mich immer interessiert, aber mit Geld konnte ich selber noch nie umgehen. Und ob das System anders besser funktioniert, weniger Risiken birgt und mir mehr Geld auf meinem immer zu schlecht gestellten Konto beschert – ich weiß es nicht.

Jahrelanges Morden auf Deutschlands straßen – anscheinend von einer rechtsextremen Gruppe, Unterstützt vom Verfassungsschutz? Mit Hintermännern? Jahrelang unbemerkt?
Ich kann mir darüber nur ein Urteil bilden und das glauben, was mir die Medien und so manche Blogs auftischen.

Was mich aber aufregt, sind einseitige, von Angst geschürte Diskussionen über Facebook, Google und sowieso alle (bösen!) amerikanischen Unternehmen.

Unsere Regierung, Medien und Lobbyisten haben es bisher ganz gut hinbekommen ein bisschen 1984 in unsere Köpfe einzupflanzen.

Wir sind seit Jahren dabei, nahezu jeder neuen Errungenschaft des Netzes erstmal nur Risiken und Gefahren zuzusprechen, anstatt die Chancen zu sehen.

Facebook speichert unser ganzes Leben, Google fotografiert unsere Vorgärten, Apple weiß wo sich jedes iPhone auf der Welt gerade befindet, Foursquare verrät Dieben wann ich nicht zuhause bin.

So die Sicht vieler Deutschen.

Facebook bietet uns eine einzigartige, simple Möglichkeit sich mit Menschen aus unserem Leben zu vernetzen und die Stücke unseres Lebens zu teilen, die wir für wichtig halten.

Google eröffnet Menschen, die nicht die Mittel haben die Welt zu bereisen, Möglichkeiten diese doch zu erkunden. Schritt für Schritt, Stück für Stück.
Und auch Unternehmen bieten sich wunderbare Chancen wenn der Besucher mittels Streetview durch die Aachener Innenstadt flaniert, die Front eines großen Klamottenhauses sieht und dort vielleicht direkt, in Street View, die neue Sommerkollektion kaufen kann.

Apple kann mit den Millionen iPhone-Daten bald eine wesentlich zuverlässigere Navigationslösung anbieten und jetzt extrem schnelle Lokalisierung realisieren.

Foursquare verbindet die reale Welt sehr stark mit dem Netz. Ich muss zu einem Ort gehen um Angebote zu erhalten oder mich schlicht einzuloggen. Leider Nutzen in Deutschland kaum Unternehmen dieses riesige Potential.

All das sind Beispiele die mittlerweile – nach etlichen Jahren mehr oder weniger akzeptiert und angekommen sind. Den ganzen neuen Scheiß, der “die Welt da draußen” und “das Internet” stärker zusammenbringt und noch mehr verschmelzen lässt ist hier noch lange nicht angekommen.

Wir müssen mit der Scheu aufhören und mehr experimentieren. Einfach nutzen, testen und schauen was es uns persönlich bringt. Nicht immer warten bis auch wirklich der letzte Nerd-Freund den tollen neuen Dienst nutzt und man “nun ja nicht mehr anders kann”.

Wir müssen jetzt die Chancen sehen und ergreifen, die uns das Netz bietet.
Auch wenn wir den Rückschritt nicht mehr aufgeholt bekommen, wir können es noch schaffen ein besseres Netz(Verständnis) für unsere Kinder zu hinterlassen.