Aachener Zeitung auf dem iPad. Nichts verstanden.

Seit wenigen Stunden hat es die Lokalpresse geschafft. Sie verlässt das sinkende Schiff und schließt sich Matthias Döpfner an. Das Aachener Verlagshaus ist auf dem iPad angekommen. Knapp zwei Jahre nach der Einführung das beliebten Tablets erscheint die Aachener Zeitung sowie ihr Schwesterblatt Aachener Nachrichten nun täglich frisch gedruckt im ePaper-Kiosk.

ePaper beschreibt das Dilemma nur all zu gut. Knapp zwei Jahre hat man also gebraucht um die Zeitung 1:1 auf dem iPad darstellen zu können. Also ein pdf hinter eine Bezahlschranke zu stellen und mit innovativen Funktionen wie “per E-Mail senden” zu versehen.

Aachener Zeitung ePaper auf dem iPad - Titelseite

Die Bedienung der App ist okay – das was sie kann, macht sie vernünftig, auch wenn es hier und da noch ein paar Abstürze gibt. Die Suchfunktion über das Zeitungsarchiv lädt nicht gerade zum stöbern ein, ist aber praktisch wenn man weiß was man sucht.

Was aber an der Dresdner Straße noch nicht angekommen ist: Eine digitale Zeitung muss anders funktionieren. Mit der aktuellen ePaper Ausgabe bekomme ich auf mein iPad welches ständig im Netz hängt, mit metering apps zum Nachrichten-Konsum ausgestattet ist (Tagesschau, Welt, Zite, Flipboard, …) ständig wichtige Ereignisse als Push-Benachrichtigung zugestellt oder schon so aufbereitet, das das konsumieren eine Freude ist.

Die Aachener Zeitung schafft es hingegen, mir Morgen früh alten Nachrichten vom Vortag im Zeitungslayout zu präsentieren. Mehrwert? Keiner. Innovation? Gleich null.

Einzig den Lokalteil bieten mir Tagesschau und Welt nicht. (Zite und Flipboard können hier mit Facebook und Twitter Aggregierung Punkten, aber das ist ein anderes Thema).

Gönne ich mir nun also für 0,79 € pro Ausgabe eine Lokalzeitung kann ich fröhlich ein paar Seiten Termine, nette Artikel und schwarz Weiß Bilder sowie Discounter-Anzeigen konsumieren – und Artikel per E-Mail verschicken.

Möchte ich nun also meinen Freunden auf Facebook oder meinen Kreisen bei google+ von einem netten Artikel erzählen, schicke ich eine E-Mail mit dem Volltext (ohne Bilder natürlich) an mich selber und kopiere diesen Volltext in mein Statusupdate. Sicherlich nicht im Sinne des Erfinders und erst Recht nicht im Sinne eines Leistungsschutzrechts für Presseverleger.

Mit solchen völlig an den Möglichkeiten und am Markt vorbei entwickelten “iPad Zeitungen” gräbt sich nicht nur der Aachener Zeitungsverlag sein Grab immer weiter. Ich bin gerne bereit für guten Lokal-Journalismus ein paar Euro im Monat zu bezahlen – das derzeitige Angebot ist aber mindestens so uninteressant wie die gute gedruckte Zeitung. Dadrin konnte man immerhin noch seine Küchenabfälle einwickeln.

Das es Verlage gibt, die verstanden haben was zukünftige Kunden von einer digitalen Zeitung erwarten zeigen Welt, Zeit und die FAZ mit ihren iPad Apps und vor allem die Zeit mit ihrer mobil-optimierten Webseite nur all zu gut.

Hoffentlich dauert es einfach nur noch ein bisschen, bis in den lokalen Redaktionsräumen umgedacht wird. Und hoffentlich ist es dann nicht schon zu spät.