Die Zeitung, Zielgruppen und worum es eigentlich geht.

Meine kleine Kritik zur ePaper App der Aachener Zeitung hat Ende vergangenen Jahres ganz kurz eine ziemliche Welle geschlagen. Nicht nur die Online-Redaktion des Zeitungsverlags meldete sich per Mail und Twitter bei mir, auch eine Reaktion der Chefredaktion gab es per Mail.

Der Ton war freundlich, teils aber auch ein wenig angefressen, so als ob man einen ziemlich Wunden Punkt getroffen hat. Nun gut, da kommt so ein Internet-Vollschreiber daher, kriegt kurz ziemlich viel Aufmerksamkeit, ist bei den relevanten Suchbegriffen recht weit oben bei Google gelistet und bekommt sowohl in den Kommentaren wie auch auf Twitter allgemeinen Zuspruch zu seinen Worten.

Wenn man als Verlag einige Zeit, einiges Geld und einige Mitarbeiter in solch ein Projekt reingesteckt hat, ist es klar das einen das nicht wirklich zu Freudensprüngen bewegt. 

Auf dem vergangenen Twittwoch in Aachen hatte ich nun die Gelegenheit mich einmal persönlich zu diesem Thema Auszutauschen. Ich erzählte wieder einmal das ich mit der AZ aufgewachsen bin. Ich lese die Zeitung gerne, wenn sie mir in die Hände fällt. Ich weiß das es nach wie vor einen (großen, teils wachsenden) Markt für Full-Service-Zeitungen gibt und ich weiß, wie ungemein schwer es ist in einem so hierarchisch aufgebautem Konzern neue Strukturen einzuführen und Mitarbeiter umzuschulen. Das ist alles kein Zuckerschlecken. Das kostet alles eine Mark und ja, natürlich kann man nicht alles “einfach mal” ausprobieren.

Das ist aber nicht der Punkt.

Festgeklammert am Print Produkt, optimistisch gestimmt das die (online)-Anzeigen stark zunehmen und es ja einen Bedarf für den Mantel gibt, wird eins nicht verstanden: Eine Zielgruppe wie mich.

Zwischen 20 und 30 € gebe ich monatlich im Schnitt für Musik, Serien und Apps aus. Spendiere zwischen 5 und 10 € per flattr und gönne manchen Projekten wie dem “Not Safe for Work” Podcast eine kleine Spende.

Ich lebe und konsumiere im Netz. Bin bereit für guten Inhalt, den ich bequem beziehen kann, Geld zu bezahlen. Ich möchte sogar ganz dringend Geld bezahlen für gute Leistungen. Egal ob diese aus einem großen Verlagshaus stammen, oder vom Blogger aus meiner Nachbarstrasse. 

Nur der Zeitungsverlag möchte mein Geld scheinbar nicht. Ich bin nicht bereit 15,99 € im Monat zu bezahlen um den Mantel zu einem Großteil mitzufinanzieren. Ich möchte eine Möglichkeit, die Ressorts zu einem angemessenen monatlichen Betrag zu abonnieren, die mich interessieren.

Heutzutage ist die Vertriebs und der Exklusivitätsdenke der Verlage nicht mehr nötig. Dank Internet existieren nahezu keinerlei Vertriebskosten. Ob meine iPad Zeitung alle Ressorts oder nur den Lokalteil enthält ist fast Kostenneutral. Und dank Apple muss ich mich als Verlag nicht einmal um Abrechnungssystem, Auslieferungsdienst und Inkasso kümmern.

Ich Wünsche mir hier eine Diskussion abseits von Zahlen, Kosten und Machbarkeiten. Eine offene Runde die sich über Chancen, Möglichkeiten und Machbarkeit austauscht und anfängt eine bisher vernachlässigt, belächelte Zielgruppe ernst zu nehmen.

Denn: Wer will, findet Wege, wer nicht will, findet Gründe.