Aus Gelb wird endlich Rot.

Gestern fand zum zweiten mal der “Runde Tisch gegen Rechts” mit dem Schwerpunkt Alemannia statt. Philipp Emmert war für die Piraten dort und hat den Tisch sehr ausführlich niedergeschrieben.

Seit ein paar Wochen geht die Berichterstattung der Presse ja glücklicherweise immer mehr auf die bisher so verkannte Problematik ein. Auslöser waren nicht zuletzt die Vorfälle in Sarbrücken. Ich bin froh, das Polizei, Alemannia, Fanprojekt und Politik mittlerweile geschlossen von einer rechten Unterwanderung in der Karslbande sowie von der Karlsbande ausgehender Gewalt in Richtung Aachen Ultras reden. Aus der gelben Karte gegen Rechts wird nun endlich eine Rote. Das hat lange gedauert. Ich hoffe nicht zu lange.

Ich habe Philipps Bericht auf die wichtigen Kernpunkte aus meiner Sicht reduziert:

Herr Außem (zuständiger Polizei-Einsatzleiter Tivoli) schilderte in einem 25-minütigem Vortrag die Ultra-Szene in Deutschland und projiziert manche Erkenntnisse auf die Aachener Szene. Er sieht zudem den Konflikt in Aachen als einen “Rechts (KBU) vs. Links (ACU)”-Konflikt an.

Um die Konflikte zu lösen, setzt die Polizei dabei auf eine Strategie aus Kommunikation mit allen beteiligten, Repressionen als Maßnahme gegen Gewalttäter und Redelsführer sowie allgemeine Prävention in der Jugendarbeit, an Schulen und in den Ultra-Gruppierungen selbst.

Hatte es für manche den Anschein, der Verein würde sich nicht um die existente Problematik kümmern, zählte Frithjof Kraemer die bisherigen Bemühungen seitens der Alemannia auf. Kraemer machte deutlich, das die Dialogbereitschaft in Richtung Karlsbande aufgekündigt wurde und nun nach langem berechenbarem Verhalten seitens des Vereins nun auch Taten folgen. Am kommenden Donnerstag werden weitere Maßnahmen folgen, die derzeit noch mit dem DFB abgestimmt werden.

Die Stadt möchte das Fanprojekt von bisher 1,5 Stellen auf 2,5 Stellen aufstocken (mehr geht nicht, da die Mittel gedeckelt sind). Sowie die bisherige Kampagne “Wir sind Aachen – Nazis sind es nicht” auf die Alemannia übertragen und gemeinsam mit Aktionsträgern in der Städteregion ein erweitertes Konzept entwickeln.

Richard Gebhardt (Sozial- und Politikwissenschaftler an der RWTH) betonte auch noch einmal das der Konflikt in Aachen “ kein Streit zwischen Jugendgruppen, sondern eindeutig auf ein Rechts/Links-Schema zu projizieren” ist. Gebhardt mahnte aber auch davor Symbolpolitik zu betreiben oder mit Kollektiven Stadionverboten zu reagieren. Vielversprechender sei ein Verbot “aller Symbole, Wappen, Tshirts, Schals etc. der Karlsbande”.

Fazit

Es wirkt ein wenig so, das erst seitdem die überregionale Presse über die Vorfälle in Aachen berichtet, der Image-Schaden für Stadt und Verein zu groß wird um weiterhin in der Dialogstellung zu bleiben. Einerseits traurig, das so viel Zeit verstreichen musste, das so viel Gewalt geduldet wurde, bis klarere Ansagen getroffen wurden, andererseits vielleicht noch gerade rechtzeitig bevor noch schlimmeres passiert.

Ich hoffe, das nun noch mehr Leute im und um das Stadion aufwachen und begreifen was da seit geraumer Zeit vor sich geht. Warum die ACU sich schon vor längerer Zeit abgespalten hat und in “ihrem” Block “ihr Ding macht”. Ich hoffe, das nun endlich den Worten Taten folgen und das sich die wirklichen Fans klar gegen Rechts bekennen und die Opfer unterstützen. Ich hoffe das mit diesem runden Tisch der schwere Stein endgültig ins rollen gebracht wurde, um aus der Aachener Fan-Kultur wieder eins zu machen: Eine Truppe die rechte Idioten aus dem Stadion und der Stadt feuert um ihre schwarz gelben mit Herz und Seele anzufeuern.

Links:

Für alle, die sich etwas tiefer in die Thematik einlesen wollen hier ein paar Links der letzten Woche. Gerne erweitere ich die Liste einfach in die Kommentare mit Link-Vorschlägen.

http://konspirateur.wordpress.com/2012/08/21/bericht-runder-tisch-gegen-rechts-20-08-2012

http://www.welt.de/print/wams/nrw/article108682422/Wenn-Fans-gegen-Fans-kaempfen.html

http://www.11freunde.de/artikel/erneuter-angiff-auf-aachener-ultras

http://www.aachener-nachrichten.de/sport/alemannia-detail-an/2630763?_link=&skip=&_g=Alemannia-Fans-randalieren-nach-Drittligaspiel-in-Raststaette.html

http://www.aachener-nachrichten.de/sport/alemannia-detail-an/2633394?_link=&skip=&_g=Alemannia-Fans-muessen-wieder-strikt-getrennt-werden.html

http://www.aachener-zeitung.de/sport/alemannia-detail-az/2646137?_link=topnews&skip&_g=Stadtverbot-fuer-pruegelnde-Hooligans.html

http://www.aachener-nachrichten.de/sport/alemannia-detail-an/2654502?_link=&skip=&_g=Rechtsextreme-Fans-Der-Verein-war-und-ist-zu-Dialog-bereit.html

 

Anmerkung: In einer früheren Version stand, das die Alemannia das Fanprojekt aufstocken möchte. Das war so nicht korrekt, da die Finanzierung dessen nicht an der Alemannia hängt. (Danke Philipp für die Anmerkung)