Musikschleife

Vor kurzem einem Jahr habe ich ein wenig meinen Netzwerkspeicher aufgeräumt. Und einmal überschlagen. Überschlagen wie viel Musik dort seit Jahren rumlungert. 500.000 Mp3s dürften es ungefähr sein. Eher vorsichtig geschätzt. 17. 500 Stunden Musik. 729 Tage  oder knapp zwei Jahre Musik. Würde es dafür Abmahnungen hageln, dürfte ich wohl eine gefühlt hohe Summe, ähnlich der Griechenlandhilfen abzahlen. Seit gut einem Jahr ist diese Musik jedoch tot. Aktuell schon lange nicht mehr. Die letzten Downloads Sammelstücke sind von 2007.

Die ersten lassen sich wegen dem ganzen hin und her kopieren nicht mehr genau beziffern. Angefangen hat die Sammelwut wohl ungefähr 2003. Mit 56 Kbps (für die jüngeren unter euch: Das ist langsamer, als wenn eure UMTS-Datenflat aufgebraucht ist!) auf mp3.de, hinüber zu napster, emule, gebrannte CDs voller Musik, bis hin zu Gigabyte gefüllten gut sortierten Festplatten mit einer niemals hörbaren Anzahl an Musik. Eine schiere Menge an Musik die beim “Alle zur Playlist hinzufügen” jeden Rechner mit Winamp gnadenlos zum abstürzen brachte.

Vom Ballermann bis Led Zeppelin. Neue Deutsche Welle, Heavy Metall, Hardcore und Pop. So viel Schrott und irgendwo dazwischen die Silberperlen. Dank kaum vorhandener MP3-Tags mühsamer zu finden als jede Stecknadel im Heuhafen. Es war grausam. Und dann kam der iTunes-Store. Vernünftige Sortierung. Sofort verfügbar, anständige Covers, alles fürs kleine Geld. Und wieder ging das Sammeln los. Nur was wirklich über längere Zeit gefiel, Klassiker die man eh rauf und runter hört und immer wieder ganze Alben landeten auf der Festplatte. Über 1000 Songs mittlerweile – gekauft.

Und auch das war nur ein Zwischenschritt.

Jetzt habe ich mit spotify, rdio, simfy und Co. zahlreiche Dienste die für einen schlanken Fünfer im Monat so viel Musik aus meinen Boxen rauspumpen wie ich möchte. Ohne Werbung, ohne Nerv, ohne großartig Speicherplatz zu fressen. Ohne die Festplatte voll zu machen mit zigtausend Titeln, die man tendenziell eh nie hört. Millionen von Titeln, durch ziemlich viele Genres kreuz und quer. Genug um immer wieder neues zu entdecken und den ganzen Tag laufen zu lassen. Immer neue Musik, irgendwie wie Radio. Aber auch ganz selektiv. Einzelne Titel. Ganze Alben. Gemeinsam mit Freunden hören und schöne Titel über Facebook und Twitter teilen.

Seit ich spotify nutze werde ich regelmäßig aufmerksam auf neue Künstler, die es immer wieder in meine Heavy-Rotation schaffen. Und seit einigen Wochen will ich demnächst mal wieder ein Konzert besuchen. Das wäre das dritte in meinem Leben. Wenn ich dann aber das gejammer der Künslter und Interpreten höre, das über Streamingdienste so wenig reinkommt, überlege ich mir das mit dem Konzert noch mal.

Ein Kommentar

  1. 1 Tobias

    Da bei mir Festplatten immer zu klein sind, war ich immer gezwungen aufzuräumen und einiges in die weiter entfernten, nicht immer verfügbaren Backups zu schieben. Das tut gut, schafft Freiraum und ist immer wieder spannend weil man damit konfrontiert wird, wie man aktuell drauf ist. Irgendwann fällt es einem dann nicht mehr schwer, etwas auszusortieren und aufs Netzlaufwerk zu legen. rdio und spotify sind für mich ideal: ich höre gerne das ganze Album und nur sehr selten einzelne Lieder. Das einzige was mich dabei allerdings sehr nervt: “Dieser Track ist in deiner Region nicht verfügbar”. Doch noch nicht so ganz 2013, wie wir es gerne hätten. Aber auf dem Weg dahin.